Inline-Alpin: Sechs Sportler des WRIV holen bei den World Skate Games (WSG) sensationelle zehn von zwölf deutschen Medaillen. Ein Bericht über große Herausforderungen, wechselhaftes Wetter und die Ergebnisse unseres WRIV-Teams.

Das erfolgreiche deutsche Inline-Alpin-Team bei den World Skate Games in Paraguay. In der oberen Reihe die erfolgreichen Starter des WRIV (v. l.): Moritz Schreiber, Elea Börsig, Luna Schwarz, Noah Sing, Luca Gökeler und Roland Keller. Unten die beiden Starter des BRIV mit Betreuer (v. l.): Francis Stimpfle, Ralf Gökeler und Noah Teuber.

Asuncion/Stuttgart. Die Athletinnen und Athleten des Württembergischen Rollsport- und Inline-Verbandes (WRIV) haben bei den Weltmeisterschaften herausragende Ergebnisse eingefahren. Mit einer tollen Ausbeute von zehn Medaillen kehrte der sechsköpfige WRIV-Kader von den World Skate Games aus Paraguay zurück und sicherte damit fast im Alleingang den deutschen Gesamterfolg. Fünf der sechs gestarteten WRIV-Teilnehmer belohnten sich auf internationaler Bühne mit Edelmetall.

Starke Gemeinschaft ermöglicht WM-Teilnahme

Als im März 2025 feststand, dass das größte Rollsport-Event der Welt in der paraguayischen Hauptstadt Asuncion stattfinden würde, war das Ziel für einige unserer Top-Athleten sofort klar. Da Inline-Alpin als nicht-geförderte Sportart gilt, müssen die Aktiven die Kosten für solche Großereignisse nahezu zu 100 Prozent selbst tragen. Weil die offizielle Nominierung und die Hotelvorgaben erst drei Monate vor den Spielen erfolgten, stiegen die Flug- und Unterkunftskosten massiv an. Doch das heimatliche Umfeld unserer WRIV-Sportler hielt zusammen: Durch kurzfristig initiierte Spendenaufrufe im privaten und regionalen Umfeld unterstützten Freunde, Arbeitskollegen, Verwandte und treue Sponsoren die Finanzierung. Sie machten den Weg frei für dieses sportliche Märchen.

Nervenkitzel schon bei der Anreise

Die sportliche Vorbereitung forderte nach einer langen, kräftezehrenden Saison vollen Einsatz. Mit intensiven Sondertrainings stimmten sich die WRIV-Teilnehmer auf die Bedingungen in Südamerika ein und traten hochmotiviert die tlw. über 30-stündige Reise über München, Zürich und Sao Paulo an. Am Flughafen wartete prompt die erste Geduldsprobe: Ein spezialisierter Sportreisedienstleister hatte die Buchung des essenziellen Sportgepäcks vergessen. Dank des schnellen und unkomplizierten Eingreifens des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes (DRIV), der die teure Nachgebühr spontan vorschoss, kam die Ausrüstung nach bangem Warten am Kofferband glücklicherweise pünktlich an.

Die knifflige Schlüsselkurve am Vulkan

Die Rennstrecke führte den Cerro Lambaré hinab, einen steilen Vulkan-Hügel direkt am Fluss Paraguay, rund 12 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Der frisch geteerte Asphalt hielt eine sehr enge 165-Grad-Haarnadelkurve mit starkem Gefälle bereit. Die ursprüngliche Absprache lautete, die Kurve nur dann zu befahren, wenn sie sich in den Testläufen als sicher erweist – andernfalls sollte der Start nach oben verlegt werden. Das deutsche Team absolvierte drei Tage lang intensive Probeläufe. Da die Passage wegen des Gefälles und der Außenneigung extrem sturzträchtig war, plädierten die meisten Fahrer für eine Startverlegung nach oben, um die Gesundheit der Sportler nicht zu gefährden. Die Rennleitung entschied sich letztlich dennoch für den schwierigen Originalkurs. Für unsere Topspeed-Spezialisten eine knifflige Ausgangslage, da diese Streckenführung die fahrerischen Vorteile ein Stück weit ausbremste. 

Lotterie im paraguayischen Regen

Zusätzlich schlug das Wetter um. Zwei der fünf Disziplinen wurden im Nassen ausgetragen. Die absolute Höchststrafe für Inline-Alpin-Skater ist abtrocknender Asphalt, da sich der Grip auf der Straße sekündlich verschlechtert. Hinzu kamen wiederholte Ausfälle der Zeitmessung vor Ort. Musste ein Lauf wegen Technikausfalls wiederholt werden, war das ein Vorteil für den wiederholenden Sportler. Die Bedingungen zehrten extrem an den Nerven. Unser Team brachte das anfängliche Zwischenfazit auf den Punkt: „Gute Vorbereitung und hartes Training verpuffen gefühlt in einem reinen Zufallsrennen.“

Voller Einsatz im Kampf gegen die Wassermassen: Noah Sing (SV Winnenden) beim Slalom-Regenrennen in Asuncion am 11. Oktober 2026 auf dem Weg zu WM-Gold.

Fokus und Teamgeist führen zum Medaillenregen

Die Trainer und Betreuer zuhause und vor Ort gaben die Marschroute vor: Die Bedingungen vollkommen akzeptieren, nicht hadern und den vollen Fokus auf die eigene Leistung richten. Unsere WRIV-Athleten setzten diese Vorgabe hervorragend um und starteten einen Medaillen-Rausch:

  • Slalom (Königsdisziplin): Bei Dauerregen zeigten unsere Sportler eiserne Nerven. Luna Schwarz (Juniorinnen; VfL Nagold), Elea Börsig (Seniorinnen; TG Tuttlingen) und Noah Sing (Senioren; SV Winnenden) krönten sich am selben Tag allesamt mit WM-Gold zu Weltmeistern.
  • Riesenslalom: Luna Schwarz raste zu Gold, während sich Elea Börsig die Silbermedaille sicherte.
  • Kombination: Ausnahmetalent Luna Schwarz holte ihr nächstes Gold. Elea Börsig glänzte erneut mit Silber. Noah Sing trotzte der tückisch abtrocknenden, immer rutschiger werdenden Strecke als allerletzter Starter des Feldes und erkämpfte sich eine hochverdiente Bronzemedaille.
  • Weitere Top-Platzierungen: Roland Keller (TG Tuttlingen) biss sich trotz der ungeliebten Bedingungen durch und untermauerte die WRIV-Stärke mit gleich drei Top-10-Ergebnissen (Platz 8 im Riesenslalom, Platz 7 im Slalom, Platz 9 in der Kombination). Auch Luca Gökeler (TV Unterlenningen) zeigte eine überragende Allround-Leistung und schrammte mit den Plätzen 5 (Kombination), 6 (Riesenslalom) und 9 (Slalom) dreimal nur haarscharf am Podest vorbei. Sein Vereinskollege Moritz Schreiber (TV Unterlenningen) glänzte ebenfalls mit einem starken 5. Platz im Slalom sowie Rang 6 in der Kombination. Komplettiert wurden diese Ergebnisse durch den 7. Platz von Noah Sing im Riesenslalom. 

Unschlagbar im Team

Den perfekten Abschluss bildeten die Teamwettbewerbe im Slalom und Riesenslalom. Das deutsche Aufgebot – bestehend aus den WRIV-Leistungsträgern Luna Schwarz, Elea Börsig, Luca Gökeler, Moritz Schreiber und Noah Sing – rief bei endlich trockenen Bedingungen sein volles Potenzial ab. Mit fehlerfreien und sicheren Läufen fuhren sie souverän zu zweimal Team-Gold für Deutschland.

Grenzenlose Erleichterung und Teamgeist: Die Teilnehmer im Teamslalom freuen sich gemeinsam über den grandiosen Sieg. Foto:

Mit zehnmal Edelmetall im Gepäck haben unsere Sportlerinnen und Sportler eindrucksvoll bewiesen, dass sie sowohl sportlich als auch mental zur absoluten Weltelite gehören. Der gesamte WRIV gratuliert seinen Athleten und den Heimatvereinen zu dieser mitreißenden Leistung!

Hintergrund: Die World Skate Games

Die World Skate Games (WSG) sind das größte Multisport-Event der Welt für Sportarten auf Rollen. Über 6.000 Athleten traten in Asuncion in 11 Sportarten und 40 Disziplinen (u.a. Skateboard, Rollkunstlauf, Inline-Hockey, Speedskating und Inline-Slalom) gegeneinander an. In sämtlichen Disziplinen werden bei diesem Event die offiziellen Weltmeisterschaften ausgetragen.

Bericht: Noah Sing

Foto 1, privat: das deutsche Team
Foto 2, privat: nach Gold im Team-Slalom
Foto 3, Luis Velasco: Noah Sing

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