Ein Hauch von Olympia lag über Chengdu – eine der Metropolen in China bekannt für seine Pandabären. Die World Games – die Olympische Spiele für 39 Randsportarten -fanden dieses Jahr dort statt und die Stadt hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Massen von Volunteers waren in der Stadt unterwegs und standen den Athleten, Offiziellen und angereisten Fans mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich war ein Panda namens „Shu Bao“ eines der Maskottchen der Spiele.

Ca. 3500 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt waren angereist. Sie wurden in zwei großen Athleten-Dörfer im Stadtzentrum untergebracht. Mehr als 300 Busse wurden vom Veranstalter bereitgestellt, um die Sportler im eng getakteten Zeitplan zu den Sportstätten zu bringen. Darunter auch die deutsche Nationalmannschaft im Inline-Speedskating mit der Vizeweltmeisterin vom TSuGV Großbettlingen – Larissa Gaiser.

Für Gaiser sollte der Medaillentraum bei Ihren zweiten World Games in Erfüllung gehen. Vor vier Jahren war sie in Birmingham (USA) schon dicht dran.

Es ging für die Inline-Speedskater erst auf dem Straßenkurs los. Ein Novum, da normalerweise auf der 200m Bahn begonnen wird. Für Larissa Gaiser nicht optimal, da sie zum einen die Bahn lieber mag und die lange Zielgerade des Straßenkurses nicht optimal für sie war. Gleich im ersten Rennen setzte sie ein Ausrufezeichen mit Platz 5 im 10km Punkterennen. Bei sengender Hitze konnte sie 7 Punkte erlaufen. Trotzdem war sie nicht ganz zufrieden: „Ein kleiner Taktischer Fehler hat mich die Medaille gekostet“. Am nächsten Tag ging es weiter mit dem 15km Ausscheidungsrennen. Dort sprang mit Platz 7 die nächste Top10 Platzierung heraus. „In dem Rennen habe ich die Nachteile des Kurses zu spüren bekommen und es lief nicht wie erhofft“ meinte Gaiser nach dem Rennen.

Mit gemischten Gefühlen ging es für sie dann auf die Bahn. Doch schon nach dem ersten Training merkte Gaiser, dass hier einiges möglich war. Die Kurven waren enger als auf anderen Bahnen und diese kamen ihrem geringen Gewicht entgegen. „Auf meiner Lieblingstrecke – dem 5.000m Punkterennen – wollte ich den schönen Panda ergattern“ war Gaiser vor dem Rennen optimistisch. Voll konzentriert ging sie ins Rennen und konnte immer wieder in den entscheidenden Situationen Punkte holen.  Am Ende sprang dann die Bronze Medaille heraus und der Jubel im Deutschen Team kannte keine Grenzen. „Auch wenn nicht die komplette Taktik aufging, konnte ich mich immer wieder spontan anpassen, ruhig bleiben und im entscheidenden Moment die Punkte holen“ resümierte sie nach der Siegerehrung. Ganz wichtig war der gewonnen Schlusssprint, der nochmals mit 3 Punkten belohnt wurde. Damit konnte sie noch die Niederländerin Lianne van Loom (8 Punkte) von Platz 3 verdrängen. Was sie im Ziel nicht ahnte – sie war auch noch einen neuen Weltrekord gelaufen. 7:30.823 Minuten gilt es nun in Zukunft zu schlagen und zumindest bis zur Weltmeisterschaft im September wird der Name der Großbettlinger Sportlerin im Ranking aufgelistet.

Am letzten Tag standen für Larissa Gaiser noch die 1000m und die 10km Ausscheidung auf dem Programm. Bei den 1.000m hatte sie im Halbfinale viel Pech, da sie in den deutlich langsameren Lauf gelost wurde und sich neben dem ersten nur die Zeitschnellsten beider Läufe qualifizierten. Am Abend gab es für sie dann nochmals die letzte Chance auf eine weitere Medaille – das 10km Ausscheidungsrennen. Auch hier zählte sie zu den Favoritinnen. Am Ende sprang nochmals ein toller 5. Platz heraus. Gaiser war einerseits zufrieden und sah dennoch gleichzeitig Potenzial für mehr. „Physisch war ich sicher in der Lage, auch in diesem Rennen eine Medaille mitzunehmen, aber bei mir fehlt es taktisch und in der Positionierung noch an ein paar Stellen. Dennoch ist die Weltspitze zum Greifen nah und der nächste Schritt wird der Feinschliff sein, um hoffentlich noch mehr Erfolge feiern zu können.“

Neben Larissa Gaiser konnten auch Laethisia Schimek (Groß-Gerau) und Ron Pucklitzsch (Gera) jeweils eine Bronze Medaille erringen. Damit ist die Sportförderung die nächsten 4 Jahre wieder gesichert.

Die World Games sind vorbei und man muss feststellen, dass Chengdu wirklich alles unternommen hat, um die Wettbewerbe auf ein neues Level zu heben. Die Sportler, die ebenfalls auf dem Eis bei Olympia am Start waren, waren der Meinung, dass es keinen großen Unterschied zu den Olympischen Winterspielen mehr gegeben hat. 2029 wird Karlsruhe der Ausrichter der World Games sein. Schon jetzt ist klar, dass es sehr schwer wird, mit dieser Dimension zu konkurrieren. Aber vielleicht ist es auch eine Chance, die Schwerpunkte anders zu setzen und ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis für die Sportlerinnen und Sportler zu schaffen. Für Gaiser und die anderen Sportlerinnen und Sportler des Deutschen Teams war es auf jeden Fall das größte sportliche Erlebnis, das sie jemals hatten.

Text: Andreas Ratzke
Foto 1: Josh Whyte – Freigabe erteilt
Foto 3 und 4: Sophie Kämpfer – Freigabe erteilt

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